Essen und genießen wie Friedrich Schiller

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Friedrich Schiller (1759 bis 1805) gehört neben Goethe zu den großen Dichtern und Denkern seiner Zeit, studierte erfolgreich Medizin, erwarb sich als Dramatiker, Philosoph und Historiker größte Anerkennung.

 

Zunächst glückloser als sein Freund aus Frankfurt/Main gelangt Schiller mit Anfang zwanzig ebenfalls nach Thüringen - als Militärarzt aus Stuttgart geflohen und damit fahnenflüchtig. In Bauerbach bei Meiningen darf er sich frei fühlen - und genießt der Überlieferung nach über Monate hinweg eine einfache, köstliche Suppe dieser Gegend - die Grümpelsuppe (siehe unten).

 

Schillers bizarre Apfellust

 

Seine Werke, sowohl inhaltlich wie auch formal, hat obendrein der Apfel geprägt. In seinem vermutlich letzten Schauspiel, dem Bühnendrama "Wilhelm Tell", rückt Schiller die Baumfrucht ins Licht der Aufmerksamkeit. Als der tyrannische Reichsvogt Gessler von seinem Untertan Wilhelm Tell verlangt, "einen Apfel von des Knaben Kopf zu schießen" - geht es in diesem Machtspiel längst um Leben und Tod. "Ich soll mit meiner Armbrust auf das liebe Haupt des eigenen Kindes zielen - eher sterb ich!", antwortet Vater Tell: "Ich soll der Mörder werden meines Kinds!", glaubt Tell verzweifelt, und er trifft dann doch den Apfel, nicht den Kopf des Sohnes - das Publikum atmet auf.

 

Äpfel gehörten auch sonst zu Schillers inspirierenden Objekten, allerdings auf ungewöhnliche, fast schon bizarre Art und Weise. Der arbeitsame Denker ließ die Frucht in seinem Arbeitszimmer verfaulen, weil der modrige Geruch seinen Geist antrieb und ihn wach und munter hielt. Besucher Goethe wurde dabei eher übel. 

 

"Eine Luft, die Schillern wohltätig war, wirkte auf mich wie Gift", sagt Goethe und berichtet weiter: "Eines Tages setzte ich mich an seinen Arbeitstisch um mir dieses und jenes zu notieren. Ich hatte aber nicht lange gesessen, als ich von einem heimlichen Übelbefinden mich überschlichen fühlte, welches sich nach und nach steigerte, so dass ich endlich einer Ohnmacht nahe war. Ich wußte anfänglich nicht, welcher Ursache ich diesen elenden mir ganz ungewöhnlichen Zustand zuschreiben sollte, bis ich endlich bemerkte, daß aus einer Schieblade neben mir ein sehr fataler Geruch strömte. Als ich sie öffnete fand ich zu meinem Erstaunen, dass sie voll fauler Äpfel war. Ich trat sogleich an ein Fenster und schöpfte frische Luft, worauf ich mich denn augenblicklich wiederhergestellt fühlte. Indes war seine Frau wieder hereingetreten, die mir sagte, daß die Schieblade immer mit faulen Äpfeln gefüllt sein müsse, indem dieser Geruch Schillern wohltue und er ohne ihn nicht leben und arbeiten könne." (aus Johann Peter Eckermanns "Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens", Goethe am 1. Oktober 1827 zu Eckermann)

  

Ein Hai namens Schiller

 

Zu Ehren des bahnbrechenden Dichters und Denkers nannten Feinschmecker eine besondere Räucherfischspezialität "Schillerlocke". Es handelt sich um die enthäuteten Bauchlappen des Dornhais, die sich im heißen Rauch wie Locken kringeln, ein Hinweis auf Schillers echte Lockenpracht. Er brauchte keine Perücke, wie sie andere der Langhaar-Mode wegen trugen.

 

Aus Schillerlocke und frischem Apfel bereitet "Paul probiert" einen herzhaft-fruchtigen Salat á la Schiller zu (Rezept siehe unten).


Thüringische Grümpelsuppe

Grümpelsuppe, auch Faule-Weiber-Suppe genannt, war ein Lieblingsgericht Friedrich Schillers. Er soll sie im Wirtshaus "Zum Braunen Ross" in Bauerbach in Thüringen für sich entdeckt haben, als er dort sieben Monate ohne viel Geld im Asyl lebte und arbeitete. Im Dezember 1782 hatte er dort Unterschlupf gefunden, aus Stuttgart in die Gegend um Meinigen geflüchtet, um der Verhaftung durch seinen Herzog zu entgehen. „Endlich bin ich hier, glücklich und vergnügt ... keine Bedürfnisse ängstigen mich mehr“, schrieb Schiller aus Thüringen an einen Freund.

Grümpelsuppe, auch Faule-Weiber-Suppe genannt, war ein Lieblingsgericht Friedrich Schillers. Er soll sie im Wirtshaus "Zum Braunen Ross" in Bauerbach in Thüringen für sich entdeckt haben, als er dort sieben Monate ohne viel Geld im Asyl lebte und arbeitete. Im Dezember 1782 hatte er dort Unterschlupf gefunden, aus Stuttgart in die Gegend um Meinigen geflüchtet, um der Verhaftung durch seinen Herzog zu entgehen. „Endlich bin ich hier, glücklich und vergnügt ... keine Bedürfnisse ängstigen mich mehr“, schrieb Schiller aus Thüringen an einen Freund.

 

Zutaten

500 g Schweinefleisch mit Knochen

2 - 3 Eier

250 g Mehl

150 g Suppengrün (Möhre, Sellerie, Lauch, Porree, Petersilie, Sellerie)

Zubereitung:

Schweinefleisch in 1 l Wasser 1 Stunde köcheln. Fleisch aus dem Topf nehmen, vom Knochen ablösen, in kleine Stücken schneiden. Diese Stücken in der Brühe weiterköcheln, ein Ei und das in Stücke geschnittene Suppengrün dazu geben.

20 - 30 min köcheln, bis das Gemüse gar ist.

 

Grümpel

Aus dem Mehl mit Ei, Wasser, Prise Salz einen Teig herstellen, sehr gut kneten, eine Weile ruhen lassen, als kleine, haselnusskerngroße Stückchen in die Brühe geben und köcheln, bis alle

Grümpel oben schwimmen. Im Teller mit gehackter Petersilie garniert servieren.


Räucherfischsalat á la Schiller

Zutaten für 2 Portionen

100 g Räucherfisch, z. Bsp. Schillerlocken

1 großer, knackiger Apfel, säuerlich (oder 2 kleine Äpfel)

1 TL Kapern oder 1 EL gewürfelte Saure Gurken

Mayonnaise

Dill

Salz und Pfeffer

Zitronensaft

 

Zubereitung

Fisch, geschälten und entkernten Apfel in kleine Stücke schneiden, mit den anderen Zutaten in einer Schüssel vermengen (nur wenig Mayonnaise, 1 TL sollte reichen!), mit Dill, Pfeffer, Salz und Zitronensaft abschmecken. Mindestens 1 Stunde im Kühlschrank oder an einem vergleichbar kühlen Ort ziehen lasse. Vorm Servieren noch mit Dillspitzen garnieren. Dazu frisches Bauernbrot oder geröstetes Weißbrot.